
Foto: Holger Barske
Am 17. und 18. September fand der diesjährige Lautsprecherselbstbau-Contest in den Räumen der Klang&Ton-Redaktion in Duisburg statt. Zwölf gut aufgelegte Teilnehmer trafen sich zum kollegialen Wettstreit um die originellste und klangstärkste Selbstbaubox des Jahres 2011. Auch dieses Jahr blieben die Selbstbauer nicht unter sich, bot doch der zweite Tag interessierten Besuchern die Möglichkeit vorbeizukommen und unterschiedliche Schallkonzepte miteinander zu vergleichen. Vertreten waren die unterschiedlichsten Ideen: vom Miniaturbreitbänder über klassische 2- und 3-Wege-Systeme zum kühlschrankgroßen Fastloaded-Horn.

Boxen-Elf mit dreizehn Entwicklern (Foto: Holger Barske)
Ich war dieses Jahr mit meiner ersten Entwicklung, einem 3-Wege-System mit Downfire-Bass, dabei. Nachdem Zeppi, Marcus und Bernd die Veranstaltung so informativ wie humorvoll eröffnet hatten gab es aber keinen Grund in der Ecke sitzen zu bleiben und den aufkommenden “Schallsturm” vorüberziehen zu lassen. Was folgte war ein Event mit äußerst positiv bekloppten Selbstbauern und Enthusiasten, die das Thema DIY mit Lust und Leidenschaft zelebrierten. Vor allem überrascht wurde ich durch die kumpelhafte Atmosphäre – frei von verkrampftem Konkurrenzdenken. Ich habe mich durch die Bank gut austauschen können, wohl gefühlt und eine Menge Inspiration mit Nachhause genommen. Zwei, drei Konzepte hätte ich mir am liebsten gleich unter den Nagel gerissen – und meine Box einfach dort stehen gelassen ;-).

Meine El Dorado: Ok, mit der Weiche habe ich wohl etwas übertrieben (Foto: Holger Barske)
Mit meinem Konzept konnte ich im K&T-Hörraum erstaunlich wenig anfangen. Nach Gehör fehlte es hier deutlich an Grundton und im Mittelhochtonbereich sorgte ein Energiemaximum für unangenehme Zwischentöne. Die erste Boxsim-Berechnung ging also so richtig in die Binsen. Die Referenz-CD eines Besuchers förderte dann auch schamlos alle Ungereimtheiten zu Tage. Enttäuscht war ich aber nicht, denn das freundliche Miteinander und die kommunikativ-lebendige Atmosphäre standen im Vordergrund!


Das Orga-Team bei der Arbeit (v.L.: Tiefton, Zeppi, Bernd S.)

Wie in der Kirche: die Cantor von Bernd und Marcus gibt ein Orgelkonzert.
Der Besuchertag begann etwas verspätet, sollte sich aber zu einem “Happening” der ganz besonderen Art entwickeln. Ab Mittag begann der Besucherstrom anzuziehen und am Nachmittag wurde es schwierig im Hörraum noch einen Sitzplatz zu ergattern. Eine Box nach der anderen wurde aufgefahren und mit eigenen CD’s abgehört. “Alto Grande” – eine Retro-Box wie frisch aus den 80ern, dessen Erbauer sich wunderte das er seine 50kg schwere Entwicklung kaum wieder aus der Wohnung bekam; oder “Mammut”, dessen Entwickler den Schall aus dem blütenhaften Hornmund einfach per gebogener Plexiglasscheibe auf die Zuschauer leitete; oder “Maxi AL”, dessen Konstrukteur sich um komplizierte Konstruktionen wenig scherte und mit den kleinsten Boxen das größte Erstaunen fabrizierte.

Die kleine “Maxi AL” konnte es sogar mit den Großen aufnehmen…

Bee’s Schmuckstück “Al Bundle” war mein persönlicher Favorit. Jegliche Software wurde in angenehm “harter Ware” an die Lauscher ausgezahlt! (Fotos: Holger Barske)
Auch die Entwickler bekamen erst am zweiten Tag Gelegenheit alle anderen Konzepte zu hören. Ob Soul, Jazz, Metal oder Elektronische Musik – nahezu jeder Musikgeschmack wurde bedient. Die Anlage bestehend aus einem Bladius-CD Laufwerk, einer Malvalve-Röhrenvorstufe und wie sollte es anders sein, selbstgebauten Mono-Transitorendstufen, kam mühelos mit jeglichem Musikmaterial zurecht. Es wurde voller und voller und angenehm wuselig, sodass mitunter Messefeeling aufkam.

Wahre Ingenieurskunst: die beiden Mammuts vom Boxendoktor im Testraum

Der “Boxendoktor” und Sieger des Contests erklärt wie es geht (Fotos: Holger Barske)
Den Schlusspunkt setzte dann ein überraschendes Event: ich traute meinen Augen kaum als im Flur kurzerhand ein Horn aus Pressspanplatten zusammengehämmert wurde. Auf die Frage, wie das so schnell gehen konnte erklärte mir der Überraschungsgast, dass er die Einzelteile zuhause bereits fertig vorproduziert habe. Der Aufbau vor Ort ging dann extrem beschleunigt vonstatten.

1-2-3 und der Aufbau des Horn-Systems ist vorbei…

Fotos: Holger Barske
Mit seiner spontanen Performance und seinem gediegenem Aussehen erinnerte mich der Mann zuweilen an die Illusionisten des 19. Jahrhunderts. Leider habe ich den Anfang im Hörraum verpasst, quer durch den Flur zerriss aber ein grandios fettes Gitarrenbrett mein laufendes Gespräch – gefolgt von frenetischem Jubel!
Da war sie, die “Anarchobox”, die alle Münder für mindestens eine Minute offen hat stehen lassen. Und alle Ohren noch viel länger. Befeuert wurde die ungewöhnlich effiziente Konstruktion übrigens nur durch einen tragbaren CD-Player plus akkubetriebenem Miniverstärker. Irgendwie schön, dass es solche Leute noch gibt.


Auf dem Contest waren Alle Gewinner (Foto: Holger Barske)
Über die IGDH
Die Interessengemeinschaft DIY-HiFi (IGDH) organisiert jedes Jahr den einzigen innerdeutschen Lautsprecherselbstbau-Contest. Mit den jährlichen Treffen sowie dem DIY-Internetforum will die 2010 gegründete Interessengemeinschaft Menschen für die hochwertige Musikwiedergabe im Selbstbau begeistern und zu eigenen Entwicklungen ermuntern. Das ehemals so prominente Selbstbau-Hobby entstand in den 1970er Jahren und erlebt derzeit eine Renaissance. Das mittlerweile 5.Treffen unterstützten namhafte Sponsoren wie der Michael-Brieden-Verlag, Mundorf, Monacor und das Technik-Outlet-Center Hamm. Allen Entwicklern wurde ein wertgleicher Preis überreicht.
Weitere Links:
IGDH-Interessengemeinschaft DIY HiFi
IGDH-Live von der Contestfront
hb.hifi-Blog von Holger Barske inkl. Fotoalbum