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Wer wie ich den C64-Sound nach vielen Jahren der Abstinenz noch im Ohr hat, stößt im Netz mitunter auf wertvolle digitale Archive einiger weniger Enthusiasten. Nachdem ich meinen C64 ca. 1987 wieder veräußerst hatte und auf die bis dato günstigste 16-Bit Maschine (Atari ST) umgestiegen war musste ich mit Bedauern feststellen, dass der YM-Soundchip nur einfache Piepstöne von sich geben konnte. Das war zumindest das – ohne Programmiertricks – gängige Standardszenario. Zum Glück gab es aber einige kluge Soundköpfe die bald das Gegenteil bewiesen. Das ist aber eine andere Geschichte. Den SID-Sound des C64 vermisste ich danach schmerzlich, hatte er doch seinen ganz eigenen klangsynthetischen Charakter der sogar den modernen 4-Kanal-DMA-Sound des nachfolgenden Commodore Amiga in Sachen “Coolness” und Eigenständigkeit ausstach.  


Tusch! Der Commodore C64 feiert dieses Jahr 30-jähriges Jubiläum.

Angetrieben von regelmäßigen Hörgedächtnisattacken grase ich also immer wieder das Netz nach Homecomputerszene-Überbleibseln ab, gefunden habe ich diesmal einen 45-minütigen Zusammenschnitt aus bekannten Werken des Chipsound-Duos “Mitch & Dane”, namentlich Nilsson Vonderburgh und Stellan Andersson. Noch in den 90ern haben es die beiden fertiggebracht aussergewöhnlich klangreife SID-Früchtchen aus dem betagten Chip zu zaubern. Meiner Meinung nach reizen die Stücke nicht nur die Möglichkeiten des SID bis aufs letzte Register aus, sondern nehmen auch kompositorisch eine Sonderstellung ein. Und das der SID mal so funky klingen könnte war mir 1986 auch nicht klar. Wer das Duo bislang noch nicht gehört hat sollte unbedingt mal ein Ohr riskieren.

Tipp: Damit es richtig grooven kann sollte man schon externe Lautsprecher oder Kopfhörer verwenden, da im Grundtonbereich einiges los ist und Laptoplautsprecher hier bekanntermaßen zu dünn auf der Brust sind.  

Episode #144 - Mitch & Dane - The Jamming Duo
(http://www.bitfellas.org/page.php?100)

BitJam is proud to present, a fresh mix of the wonderful Commodore 64 music of Mitch and Dane for your listening pleasure. Mitch and Dane have been kicking around doing music together on the C64 scene since the mid-90s, spanning quite a long period of time jamming together producing such classic instantly recognizable zak’s like Gloria, Melissa & Archangel…

All tracks were composed by Mitch & Dance, recorded, mixed and compiled by Frank “Xenox” Neumann of Particular - Sound.

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Kleine Hörprobe zum 1982 von Bob Yannes entwickelten SID-Soundchip mit der Bezeichnung MOS.6581 

(Quelle: sid.kubarth.com)

Commodore USA bringt neuen C64 auf den Markt 



Als alter Homecomputer-Enthusiast kann ich mir diesen Eintrag einfach nicht verkneifen: Unter der Bezeichnung C64x wird nun der meistverkaufte Homecomputer neu aufgelegt. Mit Atom bzw. iCore 7-Prozessor und Terabyte-Festplatten kommt jetzt aber modernste PC-Hardware zum Einsatz!



Wer kennt den alten C64 nicht, mit seinem unvergesslichen SID-Soundchip, der bis heute in den Köpfen der “Generation Homecomputer” nachklingt. Unter der Bezeichnung MOS6581 verfügte der SID (Sound-Interface-Device) über drei Tongeneratoren die Frequenzen zwischen 16Hz und 3738Hz erzeugen konnten. Aus heutiger Sicht klingt das ziemlich bescheiden, dennoch kitzelten einige kluge Programmierer beachtliche Sounds aus der MOS-Hardware. Die Arbeit solch früher Klangmagier wie Rob Hubbard, Ben Daglish und Martin Galway hat nicht nur eine Generation von Computerspielern begeistert sondern war zudem so nachhaltig, dass charakteristische SID-Sounds auch heute in der Popmusik Verwendung finden. Wie viele andere meiner Zeitgenossen habe ich den C64 im Jahre 1984 unter dem Weihnachtsbaum gefunden. Um genau zu sein bin ich schon Tage zuvor ins Schlafzimmer geschlichen, um auf einer Leiter balancierend das vielversprechende bunte Paket auf dem Kleiderschrank zu “erspitzeln”: der Inhalt war ein brauner Commodore C64 samt VC-1541 Diskettenlaufwerk und Joystick. 1984 war das ein festes Versprechen auf wochenlangen und, vor allem, elternfreien Spielspass. -Congo Bongo- war mein erstes Spielerlebnis und mit -Uridium- schlug ich mir die Nächte und Wochenenden um die Ohren, wozu die ausgeklügelte Spielmechanik und die aussergewöhnlichen In-Game-Sounds beigetragen haben.


LINKS
Commodore USA
MOS Technology SID 6581

IGDH-Selbstbaucontest 2011 


Foto: Holger Barske

Am 17. und 18. September fand der diesjährige Lautsprecherselbstbau-Contest in den Räumen der Klang&Ton-Redaktion in Duisburg statt. Zwölf gut aufgelegte Teilnehmer trafen sich zum kollegialen Wettstreit um die originellste und klangstärkste Selbstbaubox des Jahres 2011. Auch dieses Jahr blieben die Selbstbauer nicht unter sich, bot doch der zweite Tag interessierten Besuchern die Möglichkeit vorbeizukommen und unterschiedliche Schallkonzepte miteinander zu vergleichen. Vertreten waren die unterschiedlichsten Ideen: vom Miniaturbreitbänder über klassische 2- und 3-Wege-Systeme zum kühlschrankgroßen Fastloaded-Horn. 


Boxen-Elf mit dreizehn Entwicklern (Foto: Holger Barske)

Ich war dieses Jahr mit meiner ersten Entwicklung, einem 3-Wege-System mit Downfire-Bass, dabei. Nachdem Zeppi, Marcus und Bernd die Veranstaltung so informativ wie humorvoll eröffnet hatten gab es aber keinen Grund in der Ecke sitzen zu bleiben und den aufkommenden “Schallsturm” vorüberziehen zu lassen. Was folgte war ein Event mit äußerst positiv bekloppten Selbstbauern und Enthusiasten, die das Thema DIY mit Lust und Leidenschaft zelebrierten. Vor allem überrascht wurde ich durch die kumpelhafte Atmosphäre – frei von verkrampftem Konkurrenzdenken. Ich habe mich durch die Bank gut austauschen können, wohl gefühlt und eine Menge Inspiration mit Nachhause genommen. Zwei, drei Konzepte hätte ich mir am liebsten gleich unter den Nagel gerissen – und meine Box einfach dort stehen gelassen ;-). 


Meine El Dorado: Ok, mit der Weiche habe ich wohl etwas übertrieben  (Foto: Holger Barske)

Mit meinem Konzept konnte ich im K&T-Hörraum erstaunlich wenig anfangen. Nach Gehör fehlte es hier deutlich an Grundton und im Mittelhochtonbereich sorgte ein Energiemaximum für unangenehme Zwischentöne. Die erste Boxsim-Berechnung ging also so richtig in die Binsen. Die Referenz-CD eines Besuchers förderte dann auch schamlos alle Ungereimtheiten zu Tage. Enttäuscht war ich aber nicht, denn das freundliche Miteinander und die kommunikativ-lebendige Atmosphäre standen im Vordergrund!



Das Orga-Team bei der Arbeit  (v.L.: Tiefton, Zeppi, Bernd S.)

Wie in der Kirche: die Cantor von Bernd und Marcus gibt ein Orgelkonzert.

Der Besuchertag begann etwas verspätet, sollte sich aber zu einem “Happening” der ganz besonderen Art entwickeln. Ab Mittag begann der Besucherstrom anzuziehen und am Nachmittag wurde es schwierig im Hörraum noch einen Sitzplatz zu ergattern. Eine Box nach der anderen wurde aufgefahren und mit eigenen CD’s abgehört. “Alto Grande” – eine Retro-Box wie frisch aus den 80ern, dessen Erbauer sich wunderte das er seine 50kg schwere Entwicklung kaum wieder aus der Wohnung bekam; oder “Mammut”, dessen Entwickler den Schall aus dem blütenhaften Hornmund einfach per gebogener Plexiglasscheibe auf die Zuschauer leitete; oder “Maxi AL”, dessen Konstrukteur sich um komplizierte Konstruktionen wenig scherte und mit den kleinsten Boxen das größte Erstaunen fabrizierte.


Die kleine “Maxi AL” konnte es sogar mit den Großen aufnehmen…  

Bee’s Schmuckstück “Al Bundle” war mein persönlicher Favorit. Jegliche Software wurde in angenehm “harter Ware” an die Lauscher ausgezahlt! (Fotos: Holger Barske)
 
Auch die Entwickler bekamen erst am zweiten Tag Gelegenheit alle anderen Konzepte zu hören. Ob Soul, Jazz, Metal oder Elektronische Musik – nahezu jeder Musikgeschmack wurde bedient. Die Anlage bestehend aus einem Bladius-CD Laufwerk, einer Malvalve-Röhrenvorstufe und wie sollte es anders sein, selbstgebauten Mono-Transitorendstufen, kam mühelos mit jeglichem Musikmaterial zurecht. Es wurde voller und voller und angenehm wuselig, sodass mitunter Messefeeling aufkam.


Wahre Ingenieurskunst: die beiden Mammuts vom Boxendoktor im Testraum 

Der “Boxendoktor” und Sieger des Contests erklärt wie es geht  (Fotos: Holger Barske)

Den Schlusspunkt setzte dann ein überraschendes Event: ich traute meinen Augen kaum als im Flur kurzerhand ein Horn aus Pressspanplatten zusammengehämmert wurde. Auf die Frage, wie das so schnell gehen konnte erklärte mir der Überraschungsgast, dass er die Einzelteile zuhause bereits fertig vorproduziert habe. Der Aufbau vor Ort ging dann extrem beschleunigt vonstatten. 


1-2-3 und der Aufbau des Horn-Systems ist vorbei… 

Fotos: Holger Barske

Mit seiner spontanen Performance und seinem gediegenem Aussehen erinnerte mich der Mann zuweilen an die Illusionisten des 19. Jahrhunderts. Leider habe ich den Anfang im Hörraum verpasst, quer durch den Flur zerriss aber ein grandios fettes Gitarrenbrett mein laufendes Gespräch – gefolgt von frenetischem Jubel! 

Da war sie, die “Anarchobox”, die alle Münder für mindestens eine Minute offen hat stehen lassen. Und alle Ohren noch viel länger. Befeuert wurde die ungewöhnlich effiziente Konstruktion übrigens nur durch einen tragbaren CD-Player plus akkubetriebenem Miniverstärker. Irgendwie schön, dass es solche Leute noch gibt.


Auf dem Contest waren Alle Gewinner  (Foto: Holger Barske)

Über die IGDH
Die Interessengemeinschaft DIY-HiFi (IGDH) organisiert jedes Jahr den einzigen innerdeutschen Lautsprecherselbstbau-Contest. Mit den jährlichen Treffen sowie dem DIY-Internetforum will die 2010 gegründete Interessengemeinschaft Menschen für die hochwertige Musikwiedergabe im Selbstbau begeistern und zu eigenen Entwicklungen ermuntern. Das ehemals so prominente Selbstbau-Hobby entstand in den 1970er Jahren und erlebt derzeit eine Renaissance. Das mittlerweile 5.Treffen unterstützten namhafte Sponsoren wie der Michael-Brieden-Verlag, Mundorf, Monacor und das Technik-Outlet-Center Hamm. Allen Entwicklern wurde ein wertgleicher Preis überreicht.     

Weitere Links:
IGDH-Interessengemeinschaft DIY HiFi
IGDH-Live von der Contestfront
 
hb.hifi-Blog von Holger Barske inkl. Fotoalbum

Drei Tage lang



Stille. Fernes Rauschen. Eine Möwe treibt im Wind. Ein von Grün besetzter Sandberg gleitet rasch an den Augenwinkeln vorbei. Gleichmässiges Rauschen wird zu einem Tosen, dann zu nassem Klatschen. Tief treibt das wässrige Grünblau seine sanften Wogen in den pastellfarbenen Himmel. Von einem sandigen Knarzen begleitet mache ich den ersten Schritt auf eine lange hölzerne Treppe und blicke auf den meterweit darunter liegenden Boden. Salzige Luft säubert die Atemwege als meine Füße Kontakt mit dem sonnenerhitzten Grund aufnehmen und tief in das weiche körnige Bett hineingleiten. Ich bleibe stehen und lasse die Zehen ein wenig spielen. Meine Lungen saugen sich an der frischen Meeresluft satt. Mit einem Pfund Salz in der Nase stapfe ich durch den rieselnden Sand in die Weite. Eine Wanderung ist der erste Gedanke. Sonst nichts. Drei Tage lang.

El Dorado (beta) ist fertig!

Nach über 15 Monaten ist ein denkbar unwahrscheinliches Ereignis eingetreten: die Entwicklung der 3-Wege-Box “El Dorado” geht ins beta-Stadium. Auf dem freien Markt würde dies bedeuten, dass jetzt die ersten User zum Testen kommen ;-)

 
Das Ziel war aber nicht die Entwicklung allein, sondern insbesondere das Verständnis der mitunter komplizierten elektrophysikalischen Zusammenhänge. Die Box bleibt vorerst “beta”, weil unzählige Experimente bisher nur eines beweisen konnten: hätte ich Augen wie Ohren, dann könnte ich auf dem Mond Zeitung lesen. 

Während des Projektes überkam mich allerdings oft genug das Gefühl auf der dunklen Seite des Mondes zu wohnen. Nach Wiedereinkehr in den heimischen Orbit kann ich nun aber resumieren, dass die hinzugewonnene Erfahrung immens angewachsen ist. Jeder neue Erkenntnisgewinn legt allerdings auch neue Experimentierareale frei. Das macht Spaß. Es fordert aber auch Unmengen an Zeit und Energie. Neben dem wachsenden Anspruch verbuche ich auf der Habenseite: äußerst raumfüllender Klang aus äußerst kleiner Box! 



Ein ausführlicher Artikel mit umfassender Bebilderung zum Projekt soll in einem bekannten Netmagazine erscheinen. Der Untertitel lautet “Entdecken durch kaputt machen”. 

Technische Daten

Weiche: 18db (HT) / 12db (MT) / 12db (B) Flankensteilheit 
Abmessungen: 22 x 99 x 22cm
Gewicht: ca. 20kg
Prinzip: 3-Wege, Direktstrahler, dynamisch, Downfire-Bassreflex 
Trennfrequenzen: 180 Hz, 2,5 KHz
Übertragungsbereich: 47Hz - 25KHz
Besonderheiten: „Offene Weiche“ auf dem Boxenrücken, hochwertige Kondensatoren, Audioplan Antispikes, Supra Classic Innenverkabelung, konisches Gehäuse, Lackierung

Das Grammophon: ein Holpern, ein Schwingen, ein Ton!

Die Mechanik eines Grammophons ist das grundlegende Prinzip der Modernen Musikwiedergabe. Wie aber konnten die gespeicherten Klänge ohne elektrische Verstärkung zum Hörer gelangen? Und wo ist die Musik auf den Platten eigentlich genau gespeichert?


Klangspeicher Platte: In den Rillen verbirgt sich ein Mikrokosmos an Unebenheiten.

Das Geheimnis der mechanischen Plattenwiedergabe ist so einfach wie faszinierend: die Musikinformationen werden in die Wände der schneckenförmig verlaufenden Rille eingeprägt. Die Stahlnadel senkt sich tief in diese Rille hinab. Bei der Wiedergabe wird die Nadelspitze durch die Unebenheiten mechanisch abgelenkt - sie beginnt seitlich zu holpern. Dieses “Holpern” nimmt der angehängte Tonarm auf und überträgt es auf eine Membran. Das “Holpern” wird so zum “Schwingen”. Die schwingende Membran wird schließlich über einen Schalltrichter verstärkt. Im Prinzip hört man alles, was sich innerhalb der Rille so angesammelt hat: deshalb auch das Knistern und Kratzen - wenn die Nadel auch kleinste Staubpartikel erfasst.

Der Schall wird sogar über ein dünnes Papier verstärkt: wer schon einmal die Spitze einer Papierkante in die Rille einer laufenden Schallplatte gehalten hat, kann es hören!

(Bildnachweis: Wikimedia Commons)

Der Phonograph erobert das Heim

Im Geschäftsleben erwies sich der Phonograph als Versager. Nicht nur die Bedienung war oft zu schwierig, sondern auch die Tatsache dass es zu Explosionen kam. In einem Büro eine mehr als ungewöhnliche Situation, besonders wenn man bedenkt wie ungefährlich Büroarbeit sich sonst so gestaltet. Die günstigen Modelle bewegte man noch per Handkurbel, der Aufnahme zuliebe mit ruhiger Hand. Die fortschrittlicheren Modelle wurden von Batterien angetrieben, die jedoch manchmal explodierten und damit die Aufnahme zerstörten.


Die mangelhafte Technik der Phonographen sorgte für Stress im Büro.

An anderer Stelle war der Phonograph ein Dauerbrenner. In den Theatern und Salons bildeten sich Menschentrauben, um an einem Münzphonographen Polkatänzen und Märschen zu lauschen. In England trugen sie sogar dazu bei das Schicksal der Varietés zu besiegeln. Während Edison sein Gerät noch als Büromaschine anpries, hatte die Öffentlichkeit bereits etwas Entscheidendes erkannt: den Unterhaltungswert.


Eine Art Vorläufer der Musikbox: Für ein Fünfcentstück hörte man bekannte Schlager wie zum Beispiel die “Chirp-Chirp-Polka”.


Auf dem Rücken eines Esels transportierte man die Klänge aus der “Aussenwelt” in die Dörfer. Solange es noch kein Radio oder Fernsehen gab, war der Phonograph eine Attraktion.


Zwei Faktoren ist es zu verdanken, dass die Technik des Phonographen bald seinen Weg in die Wohnungen fand: Zum einen sorgte ein kleiner, billiger Uhrwerkmotor endlich für die konstante Geschwindigkeit der Zylinder, zum anderen half die Massenproduktion. Ein galvanisches Verfahren ermöglichte es die Originalaufnahme tausendfach zu vervielfältigen.

Bildnachweis:U.S. Department of the Interior, National Park Service, Edison National Historic Site, Wikimedia Commons

Gespeicherte Klänge: Der Anfang einer Industrie

Vor nicht einmal 150 Jahren waren alle Klänge noch „live“. Jeder Sound war einzigartig und jedes Musikstück eine Momentaufnahme, die nur in den Köpfen der Menschen weiterexistieren konnte. Heute nehmen wir Musik auf, laden sie herunter, speichern sie auf Medien und geben sie hunderte Male wieder. An jedem Ort. Wir haben Zugriff auf tausende Aufnahmen – wir sammeln, ordnen und mischen alles nach Geschmack - dann drücken wir „Play“ und hören uns durch die Dekaden der Musikgeschichte.

Die erste Flut der Aufnahmen begann im Jahre 1877. Thomas Edison hatte einen genialen Einfall: Die Druckwellen des Schalls sollten eine Folie modulieren, die beim Abspielen den ursprünglichen Schall wiedergibt. Sein Phonograph (griechisch: „Schall-“ oder „Klangschreiber“) wurde als Wunder des 19. Jahrhunderts gefeiert.


Arbeitstier Edison: 1888 verbessert der Erfinder in 72 Stunden sein altes Modell um der wachsenden Konkurrenz zu begegnen.

Die Maschine hatte eine einfache Mechanik: Ein Metallstift, der mit einer schwingenden Membran verbunden war, übertrug die Schallwellen als Muster auf Stanniolpapier. Lief der Stift ein zweites Mal durch die Rillen erklang der aufgenommene Schall.


Edisons verbesserter Phonograph umfasste Zylinder mit vier Minuten Aufnahmekapazität.

Über Nacht strömten die Leute in Theater- und Ausstellungshallen um das Wunder der Aufnahmetechnik selbst zu erleben und auszuprobieren: Sie sangen, flüsterten, husteten - manche bellten sogar, um dann ganz verzückt der schwachen und kratzigen Wiedergabe zu lauschen.

Bald verbesserte sich die Qualität der Wiedergabe und nach 1890 konnten erste Geräte an Geschäftsleute verkauft werden. Eine Anzeige lautete: „Ihre Stenotypistin geht Essen, bittet gelegentlich um einen freien Tag und kostet pro Woche 15 bis 20 Dollar. Der Phonograph isst nicht, steht auch nachts und sonntags zur Verfügung und kostet nicht mehr als 170 Dollar.“


Bildnachweis: U.S. Department of the Interior, National Park Service, Edison National Historic Site

Nikola Tesla & die elektroakustische Revolution

Anfang der zwanziger Jahre erlitt die junge Schallplattenindustrie einen empfindlichen Schlag. Eine neue Erfindung schickte schon ihre verheißungsvollen Wellen voraus: das Radio. Die mechanische Klangwelt, die die Menschen ein Vierteljahrhundert bezaubert hatte wirkte im Vergleich zu den neuen Radiosignalen nunmehr grob und kratzig. Die Verkaufszahlen für Phonographen stürzten ab. 1925 sank der Jahresgewinn der Victor Talking Machine Company von 23 Millionen Dollar auf 122 998 Dollar.


Victor-Records setzte den kleinen Nipper zwar oft als Markenzeichen ein, doch auch er - der nimmermüde “Hör-Hund” - konnte nichts gegen die Magie des Radios ausrichten.

1925 führte das angeschlagene Label mit der “Orthophonic”-Linie die elektrische Aufnahmetechnik ein, doch konnte der ehemalige Schellack-Gigant seine Marktverluste nicht mehr einspielen und musste sich schließlich der schnellen Marktentwicklung beugen. 1929 ging das Label in die Radio Corporation of America (RCA) über.

Ein Tesla für Alle

Nahezu vier Jahrzehnte zuvor entwickelte der Elektroingenieur Nikola Tesla die technischen Grundlagen des Rundfunks. Der Schüler Edisons baute als erster eine Anlage die Funkwellen durch die Luft übertragen konnte. Tesla war ein Elektrotechnik-Genie: seine Gedanken zur elektrischen Energieübertragung mittels Wechselstrom lieferten die Grundlage zur weltweiten Stromversorgung. Zusammen mit einigen anderen “elektrifizierten” Erfindern entfachte er so das Feuer für eine der bedeutendsten industriellen Revolutionen.     



Nikola Tesla (* 1856 Smiljan Kaisertum Österreich; † 1943 in New York, USA) meldete sein Radio-System 1897 als Patent an. Damit war es ihm möglich ein Signal 30 Meilen weit zu senden. Allerdings vernichtete ein Feuer seine fertige Sendeanlage.


In Colorado Springs experimentierte Tesla mit riesigen Spulen, die unter Spannung Blitze von über 20m erzeugten. Bald darauf machte er eine noch viel spannendere Entdeckung: das Erdmagnetfeld. Er schuf künstliches Licht über eine Distanz von 25 Meilen, ohne ein Kabel zu verlegen.


Tesla plante mit seiner Sendeanlage mittels Erdmagnetfeld, das erste kabellose   Stromnetz aufzubauen. Er skizziert lapidar: “Das kabellose Licht. Einfach in die Erde stecken - das ist alles”.


Mit Teslas Wechselstromgeneratoren erreichte man erstmalig eine flächendeckende Energieversorgung der Metropolen, ohne den problematischen Spannungsabfall des Edison-Gleichstromsystems.

Fast war die Schallplattenindustrie an den neuen Funkwellen zerschellt - schon ergaben sich neue Chancen. Die elementare Verfügbarkeit von Stromenergie beseitigte ein großes Problem der herkömmlichen Aufnahmetechnik: die unzureichende Lautstärke. Bei der rein akustischen Aufnahme war man bisher allein auf die mechanische Energie des ankommenden Schalls angewiesen. Der Aufnahme-Stift des Phonographen setzte sich schließlich nur dann in Bewegung, wenn die Signale auch deutlich genug waren.


Stress im Aufnahmeraum: Hauptsache laut in den Schalltrichter und der Phonographen-Stift schwingt mit.

Mit der neuen elektrischen Aufnahmetechnik trat ein Aufnahmegerät aus seinem bisherigen Schattendasein: das Mikrofon. Es ermöglichte den Schall erst in elektrischen Strom zu verwandeln und anschließend durch Elektronenröhren zu verstärken. Der erste Erfolg dieses elektroakustischen Zeitalters war das von 900 Stimmen getragene “Adeste Fidelis” (1925). Die Schallplattenindustrie konnte bald wieder aufatmen. Das aufkeimende Elektro-Fieber beflügelte die Vorstellungen von zukünftigen Abspielgeräten und, was noch wichtiger war, der klangliche Fortschritt dieser ersten Mikrofon-Aufnahmen war einfach unüberhörbar.  

Bildnachweis: Wikimedia Commons

Der Erfinder der Schallplatte: Emile Berliner

Bereits 1886 liessen Chister Bell und Charles Tainter das “Gram-o-phone” patentieren, das nach dem gleichen Prinzip wie Edisons Phonograph funktionierte, aber statt Stanniolpapier eine Wachsfolie verwendete.
1887 stellte Emile Berliner eine Weiterentwicklung des Grammophones her und schrieb ein umfangreiches Patent. Bestandteil seines Patents war ein scheibenförmiger Tonträger: Er selbst bezeichnete die Scheibe in seiner deutschen Muttersprache als “Schallplatte”.


Berliners erste Schallplatte bestand aus Glas, die mit Ruß und Leinöl überzogen war. Später verwendete Berliner eine mit Wachs überzogene Zinkplatte.


Emile Berliner (1851-1929) mit dem ersten Modell seines Gram-o-phone (griech.: gramma, “Schrift” und phone, “Stimme, Laut, Ton”).

Berliners Platten-Grammophon sollte sich als Segen für die Musikindustrie erweisen. Mit dem Grundstoff „Schellack“ konnte er die neuen Schallplatten ab 1895 schnell genug und günstig für den neuen Tonträgermarkt vervielfältigen - ein wichtiger Vorteil gegenüber den schwer reproduzierbaren Zylindern Edisons.

Die marktreifen Gram-o-phone waren zwar nicht für Aufnahmen geeignet, erreichten jedoch eine bessere Klangqualität als alle Phonographen zuvor. Obwohl Edison bis 1929 weiterhin Zylinder fertigte, besiegelte die Platte schließlich das Schicksal des Zylinders.


Eine zerbrechliche Mischung aus Gesteinsmehl, Kohlenstaub und Tierhaaren - Berliners Schellackplatten sollten fast 60 Jahre den Ton angeben.


Bildnachweis:U.S. Department of the Interior, National Park Service, Edison National Historic Site, Wikimedia Commons

Erinnerungen – der Geist hört mit

Es heißt „wer nicht hören will, muss fühlen!“. Aber warum eigentlich? Als kleiner Junge wollte mir diese beschwörerische Formel einfach nicht in den lausbübischen Sinn gehen. Sollte es nicht vielmehr heißen, “wer hören kann, der soll auch fühlen”? Wäre doch zumindest die lustvollere Variante. Meine Oma zum Beispiel setzte bei nahezu jeder TV-Schlagerparade unmittelbar ihren lautstarken Gesang als Begleitung ein.

Und Sie kannte den Text. Das hat mir immer sehr imponiert. Darüber hinaus gab sie noch schwungvolle Potpourris der Dreißiger und Vierziger Jahre zum Besten. Alles auswendig und fehlerfrei. 

Nicht selten gab Sie mir dann augenzwinkernd zu verstehen, dass das einfach ihre Zeit war. Mir fiel auf, dass es meine nicht war. Meine Oma litt bereits einige Jahre an Parkinson – auch ihre Altersdemenz schritt ungehindert voran. Interessanterweise konnte sie mir trotzdem alle Sänger nennen, und aus welchen Zusammenhängen sie das Stück kannte. Diese Erinnerungsleistung hat mich beeindruckt. 

Es klingelt in meinem Kopf – das Jahr 1979 – Kling Glöckchen klingelingelin… – ein riesiges rotes Ungeheuer mit wallendem Polyesterbart verlangt nach einem Gedicht, “Naaaaa mein Kleiner, hast du auch brav auswendig gelernt?”. Neee, hab ich nicht. Wie jedes Jahr an Weihnachten leiert unsere Krippe ihr einziges an einer Drahtfeder aufgezogene Liedchen runter: Glöckchen Klingelingeling. “Nun, was hast du gelernt?” fragt das rote Polyestertier, meine Lippen versuchen menschliche Worte zu formen, heraus kommt aber nur ein unverständliches Murmeln. So ein Reimquatsch und so ein Umstand, denke ich, und verlange unverzüglich das Geschenk. Aber Moment mal, die versoffene Stimme kennst du: das ist doch Herr Hund, unser Nachbar von oben! Nee, dem sag ich nichts.

Meine Oma legt wieder los: “Sonntags um Viere, steht vor der Türe…”. Ob ich meine Enkel wohl eines Tages auch so beeindrucken kann? Sonderbar – Oma scheint nicht selbst ihre eigene Stimme zu steuern, es ist als ob ihr Gehirn sich anstandslos aus gespeicherten Hörfragmenten bedient, um ihre Stimme mal zu heben, mal zu senken: eine Jukebox, die per Knopfdruck aus der Plattentrommel auflegt.
 

Neulich am Bahnhof …



Ich genieße die Bockwurst mit Bratkartoffeln. Ja, ich will es versuchen. Malmende Kaugeräusche begleiten meinen stillen Hunger, die Kellnerin betätigt die Kasse, Stimmengewirr in der halligen Bahnhofshalle  dann das Prasseln der Münzen, die in der klappernden Plastikkassette verschwinden. Das Ganze gewürzt mit den rauschenden Fahrzeugmotoren direkt hinter der verglasten Bahnhofsfront. Doch, ich werde meine Wurst in Ruhe genießen. Die Decke vibriert und ein Kind schreit, während der Zug einfährt und mit quietschenden Schienen seine Ankunft quittiert. Beim nächsten Biss knackt die Bockwurst laut in meinem Kopf.

Und alles passiert gleichzeitig. Würde ich mich nicht abwechselnd auf die einzelnen Geräusche konzentrieren hätte ich wohl kaum eine Chance, diese auch bewusst wahrzunehmen. Übrig bliebe nur eine belanglose Klangkulisse  ein Hintergrundrauschen.

Damit wir Geräusche und Töne unterscheiden können ist das Gehirn darauf angewiesen einzelne Klangereignisse zu maskieren. “Maskierung” ermöglicht ein Geräusch mit fokussierter Aufmerksamkeit wahrzunehmen. Ja, dieses Gehirnphänomen bringt einen sogar so weit, im Stimmengewirr einer voll besetzten Bar  und wenn es um die Wurst geht  ein laufendes Tischgespräch parallel mitverfolgen zu können.


Mir brummt der Schädel. Knack!

Ohrwerk-Experiment: Lautsprecher optimieren

Der Versuch einen in China gefertigten Lautsprecher der Firma Sherwood nach den eigenen Vorstellungen weiterzuentwickeln, hat sich selbst zu einer wahren “Heimwerker-Odyssee” entwickelt. Dennoch sind die Voraussetzungen für ein empirisches Weiterkommen ausgesprochen gut: Keine Erfahrung im Lautsprecherbau, jede Menge nicht vorhandenes Werkzeug und den letzten Schaltplan in der sechsten Klasse gezeichnet…

Das Heimkino 

Die Image Vertriebs GmbH veröffentlicht mein Essay über das Heimkino. Neben der historischen Entwicklung der heimischen Bildprojektion habe ich mich, als Ohrwerker, besonders auf die klanglichen Entwicklungen konzentriert…       

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